Dort oben in den Bergen


Hier ein weiterer Auszug aus meinem Büchlein "Erzähle Opa, erzähle…" das ich für meine Kleinkinder gemacht habe.  

 

Dort oben, in den Bergen

 

015 LÀ-HAUT, HERTHA

Sie sind meinem Herzen nahe geblieben, die Walliserwege !
Im Hintergrund rechts, der grosse Berg, ist der "Corbetsch".
 

Papa war Ökologe bevor man überhaupt von Umweltschutz redete, er liebte die Natur, es ist kein Zufall, wenn Förster sein erster Beruf war, in Russland, bevor er in die Schweiz kam. Auf dieser Foto siehst Du wie er, mit seinem Freund Walter, im Pfynwald einen Riesendurst löscht.

Bei schönem Wetter, sind wir regelmässig, die ganze Familie, zum Pick-nick in den Pfynwald gegangen. Wir hatten kein Auto, dazumal konnten sich nur wenige ein Auto leisten, es war ein greosser Luxus. Vor allem Geschäftsleute, Ärzte und weitere stinkreiche Leute hatten ein Auto. Somit machten wir unsere Ausflüge immer zu Fuss, es war etwas ganz normales, wir kannten nichts anderes. War das wunderbar, in diesem mysteriösen, grossen Wald, "Indianerlis" oder Versteckis zu  spielen, er kam mir Riesengross vor. Von Zeit zu Zeit machten wir auch grössere Wanderungen, am Samstagnachmittag und Sonntag – dazumal musste Papa, wie die meisten Leute am Samstagvormittag noch arbeiten.

Ich erinnere mich an einen Ausflug ins Réchytal. Von Siders nach Vercorin, über Chippis und Brie und dann ins Réchytal.

In Vercorin hat Papa Freunde getroffen, deshalb setzten wir unsere Route in Richtung der Alm, wo wir übernachten wollten.  mit grosser Verspätung fort.  Die Nacht überfiel uns, mitten im Wald, bevor wir eine Scheune zum schlafen gefunden hatten. Die Alm musste nicht mehr weit entfernt sein, wir hörten die schönen Melodien der Kuhglocken, als ob sie uns neckten ! Es war stockfinstere Nacht. Eine Nacht ohne Mondschein und der Wald war sehr dicht. Papa beschloss, dass wir in einer kleinen Lichtung übernachten werden. Wir hatten kein Camping Material ausser einiger Wolldecken.

Es war eine lange Nacht, voller Gespenster. Meine Schwester und ich hatten grosse Angst, unser Bruder Hubert schürte diese Angst indem er uns sagte, dass er hörte wie jemand um unser Lager kreiste, es sei sicher ein Luchs… Am Morgen, sahen wir, unweit von unserem Lager, eine wunderbare Scheune voller weichem Heu. Sicher hätten wir dort besser geschlafen als auf dem harten Boden !

Nach dem Morgenessen ging’s weiter, dem Biss entlang, bis ins Rechytal hinein und am Ende des Nachmittags über steile Abkürzungen zurück in’s Rohnetal.

Ein anderer Ausflug ist in meinen Erinnerungen haften geblieben, er führte uns auf den Gipfel des "Petit Bonvin", ein Berg oberhalb Montan. Über abschüssige Wege stiegen wir bis zu den Almen oberhalb Vermalaa, über Veyras, Venthône und Randogne.

014 notre tenteNach der Waldesgrenze, um ca 2000 Meter Höhe, machten wir Halt um zu übernachten. Unter Papas Anleitungen bauten wir das Zelt auf. Zelt das Papa selber hergestellt hatte, mit  Abfallstoffen und Aluminiumröhren. Dabei machte ich ein Gebet, damit es nicht zu regnen kommt,  Papa hatte uns erklärt, dass wir das Zeltdach, wenn es regnete, nicht berühren durften, da der Regen sonst durchdringt… Auf obiger Foto bin ich mit Max vor unserem Wunderzelt.

In den Gluten unseres Lagerfeuers haben wir Cervelats und Kartoffel gebraten, ich hatte das Gefühl noch nie so was gutes gegessen zu haben ! Um unseren Durst zu löschen hatten wir Limonade die Mama aus 

Holunderblüten herstellte. Holunderblüten die wir in den Sträuchern, dem Bahngeleise entlang, einsammelten. Wir hatten weder Schlafsäcke noch Matratzen, unbekannter Luxus für uns. Was uns aber nicht hinderte eine angenehme Nacht zu verbringen, Sie gesunde Müdigkeit hat uns rasch den reparierenden Schlaf finden lassen.

Der Kleine Mt Bonvin und im Hintergrund der Grosse Mt Bonvin

Dieses Foto und das folgende stammen aus dem Net

 

Die heftige Kälte in dieser Höhe hat uns früh morgens aufgeweckt. Während Papa das Frühstück vorbereitete sind Max und ich der Sonne, die langsam den Berg herunter gleitete, entgegen gesprungen. 

Nach einigen Schnitten Brot mit Konfitüre und einem grossen Becher heisser Schokolade haben wir unsere Bezwingung des "Petit-Bonvin" fortgesetzt.

Welch ein ungeheures Gefühl auf dieser Bergspitze, die wir bezwungen hatten, zu sein und weit unten, im Rhonetal, Siders und seine Kirche zu sehen ! Das sind riesige Freuden die mit meiner Jugendzeit verbunden sind, die ich so gerne meinen Kindern 

weitergegeben hätte… ilgraben_catch

Eine andere unauslösliche Erinnerung, ein Spaziergang auf den Gipfel des Corbetch und Chandolin. Diesmal war es mit einigen Schulkameraden. Früh Morgens ging’s los, Richtung Pfynwald. Bei Beginne der Strasse ins "Val d’Anniviers" haben wir den Kreuzweg "St. Antoine" genommen. Ich erinnere mich nicht, ob ich an jeder Station ein Gebet gemacht habe, es ist gut möglich, wir waren so froh immer wieder ein wenig ausruhen zu können, denn der Weg geht seht steil bergauf. Vom Gipfel des "Corbetsch" – der Berg der den Eingang ins Einfischtal bewacht – folgten wir dem Weg der dem Gipfel enlang nach Chandolin führt. Dieser Weg überhängt den Illgraben, eine sehr wilde Schlucht von der Erosion gegraben, unwirklich, wie in einer anderen Welt.

Von Chandolin aus hat man eine wunderbare Aussicht nach Montana auf der anderen Seite des Rhonetales und auf Vercorin, St Luc und sogar auf das Matterhorn !

Ich habe diesen Bericht in einem Aufsatz im Abschlussexamen meiner Lehre aufgeführt, und damit einen ersten Preis – ein schönes Buch über die Walliser Berge – erhalten, Buch das ich leider später verkauft habe, als ich die Familie das GEld bitter nötig hatte…

 

One Comment

  1. puzzle
    Posted 5 avril 2010 at 10 h 39 min | Permalink | Répondre

    Schön zu lesen, Erwin! ich glaube, manche Kinder würden soetwas lieber machen als einen All-inclusive-Hotel-Urlaub.

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