Mein erstes Auto


 

Heute setze ich meine Rubrik, die ich (zu) lange habe schlafen lassen. Es sind die Auszüge aus dem Büchlein das ich für meine Kleinkinder gemacht habe,("Erzähle Grosspapa, erzähle…") damit sie aus erster Hand von seiner Jugend lesen können… 
 
 

Mein erstes Auto

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Es war ein Standard Cabriolet, ich glaube ein 8 Open Tourer 1939, siehe oben.

Unten einige Bilder vom selben Modell, die ich im net gefunden habe,
also nicht mein Wagen, meiner ist oben und im französischen Teil abgebildet 
 
 
 

Ich arbeitete als Magaziner – Verkäufer in einer Autogarage in Lausanne. Wir vertraten verschiedene Marken welche heute zumeist verschwunden sind. Wer kennt heute noch die Marken Hillman, Humber, Sunbeam, Panhard oder auch Graham ? Wir hatten die exklusive Vertretung der angesehenen englischen Marken Daimer und Lanchester, zwei Marken die der berühmten Rolls-Royce ebenbürtig sind.

Da ich in einer Autogarage arbeitete, hatte ich die Möglichkeit eine günstige Occasion heraus zu fischen. 

Als sich die Oportunität darbot, kaufte ich dieses Cabriolet ohne zu zaudern. Es ist ein Standard, auch eine Marke von der man kaum mehr spricht.

Ich war sehr Stolz auf mein erstes Auto, ich verhätschelte und pflegte es so viel ich konnte !

smallLarry_at_Standard_and_Van_HornGrau, mit schwarzen Kotflügel und schwarzem Verdeck stach es sehr von der Allgemeinheit ab. Trotz seiner Rennwagen – Allüren, war der Motor nicht sehr stark, 6PS wenn ich mich nicht täusche. Aber welch ein Look… mit seinen ausgeschnittenen Türen hatte es eine gewisse Ähnlichkeit mit einem MG !

Mit diesem Wagen sind wir, Deine zukünftige Mutter und ich, aufgebrochen um den "Grossen Norden" zu entdecken.  Von Pully bei Lausanne,  in Richtung Deutschland, über Basel, Mannheim, Heidelberg, Köln, Amsterdam und retour durch Frankreich.

In Mannheim haben wir unser schönes Auto verloren… Wir hatten es in einem bewachten Parkplatz einer Bank parkiert, es war in den Nachkriegsjahren, es war besser wenn man sein Auto bewachte. Als wir nach einem Spatziergang durch die Stadt wieder zum Auto zurck gehen wollten, haben wir die Bank wo unser Auto parkiert war, nicht mehr gefunden. Nachdem wir kreuz und quer durch die für uns kleine Schweizer, so grosse Stadt geschlendert waren hatten wir die Orientation vollständig verloren. Sogar der Polizist den wir um Hilfe baten konte uns nicht helfen, die Bank, in deren Parkplatz wir unser Auto abgestellt hatten, hatte in Mannheim mehr als ein halbes Dutzend Filialen ! Schlussendlich, nach langem umherirren, durch Strassen und Gassen die uns immer düsterer schienen,  haben wirs gefunden. Seither habe ich mich angewöhnt immer genau die Adresse zu notieren wo ich mein Auto, in einer fremden Stadt abstelle !

Heidelberg hatte uns besonders beeindruckt, nicht nur wegen seiner Schlossruine und seinem Riesenfass das in seinem inneren ein Bierauschank beherbergte, sondern vor allem weil es dort keine Ruinen gab. Unsere Rundreise durch einen Teil Deutschlands fand relativ kurze eit nach Kriegsende statt und die Verletzungen der grossen Kä,pfe und Bombardierungen waren immer noch sichtbar. Ein BEwohner dieser schönen Stadt sagte uns : "Vor dem Krieg kam man nach Heidelberg wegen seiner Ruine – das Schloss – heute kommt man, weil es hier keine Ruinen hat " !  

Tatsächlich, das Gebiet um Heidelberg ist den entsetzlichen Bombardierungen entkommen, weil die Amerikaner vorgesehen hatten dort eines ihrer Armee Hauptquartiere zu erstellen. Das Schicksal eines Landes, einer Gegend kann zuweilen von sehr wenig abhämgen !

Köln hingegen hat uns wegen seiner Ruinen beeindruckt. Im Stadtzentrum blieb wirklich kein Haus verschont. Ich erinnere mich einer Geschäftsstrasse, in der Nähe des Bahnhofs und des Doms; auf beiden Seiten schöne

Schaufenster mit allerlei Waren, und dahinter, nichts… als Trümmer. Alles spielte sich unter den Trümmer ab. Die Ladenlokale, Geschäfte und Restaurants befanden sich unter Erden.  Eindrucksvoll die sauberen Treppen zu sehen, die unter die eingestürzten Häuser führten, mit Neonröhren beleuchtete Reklamen eines Geschäftes, einer Bar oder eines Nachtlokals !

Die Kathedrale war nur teilweise dem Publikum zugänglich, mehr als die Hälfte war abgesperrt wegen Einsturtzgefahr. 

Nach dieser grosssen Sadt, berühmt durch sein Wasser – Kölnischwasser – und sein Bier, das sich hier "Kölsch" nennt, sind wir rasch in Holland angelangt. Etwas ist mir in diesem Land sofort aufgefallen, die grossen Fenster der Erdgeschosse, wie Schaufenster, zuerst habe ich geglaubt dass in allen Häusern im Erdgeschoss Blumengeschäfte waren, all die grossen Fenster mit schönen Blumen- und Pflanzenarrangements ! In Wirklichkeit ist es ganz einfach eine Lebensart. Die Einwohner versuchen so viel Sonnenlicht als möglich, für ihre Pflanzen und für sich selber hereinzulassen. Sie haben viel weniger Sonne als wir, die wir mehr im Süden wohnen. 

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In Amsterdam, wo man wegen der vielen Kanälen an Venedig denken muss, haben wir ein kleines Hotel an einem dieser Kanäéle gefunde. Ein für Amsterdam typisches Haus, sehr schmal, ich glaube es war kaum 10 Meter breit. Eine Treppe, natürlich sehr schmal und steil, führt in die Stockwerke. Da es nicht möglich ist grosse Möbel über solche Treppen zu befördern, hat jedes Haus, draussen, einen Flaschenzug um grosse und schwere Gegenstände in die Höhe zu hissen. Die Türe unseres Zimmers hatte weder Schlüssel noch Riegel, auch hatten wir unser Bett hinter die Türe gestellt um uns mehr in Sicherheit zu fühlen. 

Als wir im Hotel ankamen, wurde uns automatisch ein grosses Bier serviert ! Ich dachte mir, die forcieren den Konsum… und hatte Angst um unsere Geldreserve  ! Angst die aber rasch verschwand als der Hotelier sagte dieser Willkommentrunk sei offeriert um uns zu erinnern, dass Holland nicht nur das Land der Tulpen und des Käses sei, sondern auch das Land der grossen Biere !

À propos Käse, wir haben Alkmaar mit seinem Käsemarkt besucht – für die Tulpenfelder war es nicht Saison. Ich hatte das Gefühl in mitten eines der berühmten Gemäldes von Breughel zu stehen, umgeben von roten, runden Käsekugeln die auf einer Art Tragbahren transportiert wurden. 

Nach einigen Tagen in Amsterdam sind wir ans Meer gefahren, nach Scheveningen, dem bekannten Badeort. Wir haben uns bei privaten einquartiert. Zu einem annehmbaren Preis fanden wir ein schönes, helles Zimmer. Das Frühstück, das im Zimmerpreis inbefriffen war hatte es un besonders angetan. Ausser dem gewohnten Brot-Butter-Konfitüre, gab es jeden Morgen eine schöne Käseauswahl, Schinken und weitere Wurstwaren. Genug um das Mittagessen überspringen zu können… Die Besitzer der Villa die uns das Zimmer verm ieteten, waren den ganzen Tag abwesend, so dass das ganze Haus zu unserer Verfügung stand. Wer machts besser in punkto Gastfreubdschaft ? 

Auf der Heimreise haben wir ein kleines Stück von Brüssel besucht. Ich erinnere mich nur an den Grossen Platz und an das Stadthaus.

Schon sind wir nahe der schweizer Grenze von Vallorbe. Unser kleines Auto hat sich sehr gut verhalten, ausser einiger Wassertropfen als es regnete. Wir hatten es aber vorgesehen und genügend Schwämme, Wildleder und sonstige Tücher zum Aufwischen zur Hand gehabt um im Trockenen zu bleiben…

Einige Km vor der Grenze, die stupide Panne ! Ein Plattfuss ! Nicht schlimm, wirst Du sagen, einverstanden, da es aber der zweite seit dem Morgen war und wir den ersten nicht reparirt hatten, standen wir ganz schön dumm da ! Da wir, wie alle normalen Autos, nur ein Reserverad mit uns hatten, waren wir festgenagelt. Wir befanden uns mitten im Jurawald, bei fallender Dämmerung. 

Standard_8_Open_Tourer_-_PowerscourtIch musste Deine zukünftige Grossmama allein im Auto lassen und mit dem Rad unterm Arm auf die Suche eines Garagisten gehen, nicht evident an einem Sonntagabend ! Es war schon stockdunkle Nacht als der Mechaniker, den ich schlussendlich doch gefunden hatte mich mit dem reparierten Rad zum Auto gefahren hatte. Ich fand Deine zukünftige Oma Zähneklappernd im Auto… nicht dass sie kalt hatte, aber vor Angst ! 

Es war unsere Hochzeitsreise vor dem Termin !  

Unser liebes altes Auto hat uns noch an viele schne Orte unseres Landes geführt. Trotz ihres ehrwürdigen Alters hat es alle hohen Schweizerpässe erklommen ohne zu reklamieren, es sei denn hin und wieder seine Verdrossenheit durch Verdampfen des Benzins kundzutun… die Benzinpumpe war zu wenig isoliert, und bei heissem Motor verdampfte das Benzin bevor es in den Vergaser gelangen konnte. Ein Bach oder ein Brunnen spendete uns dann kühle Frische um der Pumpe heilende Kompressen zu machen.  

Wie ein Feigling hab ich’s fallen gelassen, mein erstes Auto, trotz seinen treuen und ehrlichen Diensten, ich hab’s verkauft um eine Gemahlin… Deine Grossmutter, zu kaufen und eine Familie zu gründen. 

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